Laßt uns den Priester Orgon fragen:

Wer ist der größte Mann?

Mit stolzen Mienen wird er sagen:

Wer sich zum kleinsten machen kann.

 

Laßt uns den Dichter Kriton hören:

Wer ist der größte Mann?

Er wird es uns in Versen schwören:

Wer ohne Mühe reimen kann.

 

Laßt uns den Hofmann Damis fragen:

Wer ist der größte Mann?

Er bückt sich lächelnd; das will sagen:

Wer lächeln und sich bücken kann.

 

Wollt ihr vom Philosophen wissen,

Wer ist der größte Mann?

Aus dunkeln Reden müßt ihr schließen:

Wer ihn verstehn und grübeln kann.

 

Was darf ich jeden Toren fragen:

Wer ist der größte Mann?

Ihr seht, die Toren alle sagen:

Wer mir am nächsten kommen kann.

 

Wollt ihr den klügsten Toren fragen:

Wer ist der größte Mann?

So fraget mich; ich will euch sagen:

Wer trunken sie verlachen kann.


Das Gedicht "Der größte Mann" stammt von   (1729 - 1781).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Empfehlungen

Weitere gute Gedichte des Autors:



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte