Ein Winzer,der am Tode lag,

rief seine Kinder an und sprach:

"In unserm Weinberg liegt ein Schatz,

grabt nur danach!"-"An welchem Platz?"

schrie alles laut den Vater an.

"Grabt nur!" O weh! da starb der Mann.

Kaum war der Alte beigeschafft,

so grub man nach aus Leibeskraft.

Mit Hacke, Karst und Sparten ward

der Weinberg um und um geschart.

Da war kein Kloß,der ruhig blieb;

man warf die Erde gar durchs Sieb

und zog die Harken kreuz und quer

nach jedem Steinchen hin und her

Allein, da ward kein Schatz verspürt,

und jeder hielt sich angeführt.

Doch kaum erschien das nächste Jahr,

so nahm man mit Erstaunen war,

daß jede Rebe dreifach trug.

Da wurden erst die Söhne klug

und gruben nun jahrein, jahraus

des Schatzes immer mehr heraus.


Das Gedicht "Die Schatzgräber" stammt von   (1747 - 1794).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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