Arm am Beutel, krank am Herzen,

Schleppt ich meine langen Tage.

Armut ist die größte Plage,

Reichtum ist das höchste Gut!

Um zu enden meine Schmerzen,

Ging ich einen Schatz zu graben.

Meine Seele sollst du haben!

Schrieb ich hin mit eignem Blut.

 

Und so zog ich Kreis um Kreise,

Stellte wunderbare Flammen,

Kraut und Knochenwerk zusammen:

Die Beschwörung war vollbracht.

Und auf die gelehrte Weise

Grub ich nach dem alten Schatze

Auf dem angezeigten Platze;

Schwarz und stürmisch war die Nacht.

 

Und ich sah ein Licht von weitem,

Und es kam gleich einem Sterne,

Hinten aus der fernsten Ferne.

Eben als es zwölfe schlug.

Und da galt kein Vorbereiten:

Heller ward′s mit einem Male

Von dem Glanz der vollen Schale,

Die ein schöner Knabe trug.

 

Holde Augen sah ich blinken

Unter dichtem Blumenkranze;

In des Trankes Himmelsglanze

Trat er in den Kreis herein.

Und er hieß mich freundlich trinken,

Und ich dacht: es kann der Knabe

Mit der schönen lichten Gabe

Wahrlich nicht der Böse sein.

 

Trinke Mut des reinen Lebens!

Dann verstehst du die Belehrung,

Kommst, mit ängstlicher Beschwörung,

Nicht zurück an diesen Ort.

Grabe hier nicht mehr vergebens!

Tages Arbeit, abends Gäste!

Saure Wochen, frohe Feste!

Sei dein künftig Zauberwort.


Das Gedicht "Der Schatzgräber" stammt von   (1749 - 1832).


Zusammenfassung / Inhalt

Die Ballade "Der Schatzgräber" handelt von einem Mann, der nachts nach einem verborgenen Schatz sucht. Dabei begegnet er einem geheimnisvollen Geist, der ihm deutlich macht, dass nicht Gold und Reichtum das wahre Glück ausmachen. Der Schatzsucher erkennt, dass Zufriedenheit, Liebe und menschliche Nähe wichtiger sind als materieller Besitz.

Analyse

Die Ballade "Der Schatzgräber" (1798; Epoche der Weimarer Klassik) besteht aus 5 Strophen mit je 8 Versen.
Das Reimschema ist [abbcaddc], also zwei Paarreime und zwei Reime, die man „Große umarmende Reime“ nennen könnte und die sich kreuzen. Das Versmaß ist ein vierhebiger Trochäus mit meist weiblichen Kadenzen.




Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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