Die Straße ist nun fast schon tot –

Vorüber klappt, tappt ein Schritt –

Das Echo hastet hallend mit.

Der träge Mond sieht dunstigrot

Auf grünes Gaslicht-Flimmern –

Nun schlafen alle Menschen in den Zimmern.

Die Straße ist nun hohl und tot –

 

Die schwarze Schweigenacht hat sacht

Die Menschenstadt in schweren Schlaf gedrückt.

Doch himmeloben wacht

So sonderbar verrückt

Der übernächtig träge Mond.

 

Die Stadt ist traurigtot – als wenn sie unbewohnt –

Doch himmeloben glüht der Mond:

Doch himmeloben glühen große Leben

Über unsern dunstigdunklen Nachtschlaf-Sphären:

Ungeheure Stern-Schwärme schweben

Prasseln, rasen, blitzen, und gebären

Aus sich selber immer neue Funken:

Millionen Sterne schweben, leben

Über unsrer toten Nacht.

Himmeloben brechen Feuerfluten aus Vulkanen,

Weltenkörper rasen krachend unermeßliche Bahnen.

Sonnenkörper-Splitter irren trunken,

Zitternd, splitternd in den All-Orkanen –

 

Und wir selbst –?

Wir winzigkleinen Schläfer,

Erstarrt im Stadtnacht-Schweigen:

Wir rollen, sollen mit im vollen Reigen!

 

Wir liegen fest in Schlafes-Ketten,

Bewegungslos, betäubt in unsern Betten,

In enger Schiffskabine,

In nachterstarrtem schwarzem Wahn –

Doch treibt und treibt die Erdenschiffs-Maschine

In steter Rase-Reise,

In unerfaßbar großem Kreise,

Uns durch den Weltraum-Ozean:

Durch die Nacht.


Das Gedicht "Nachtgedanken" stammt von   (1890 - 1918).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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