Meine alte, gute Mutter,

Die nähte die halbe Nacht;

Sie hat mir aus feinem Linnen

Ein feines Hemd gemacht.

 

Meine wunderschöne Schwester,

Die hat einen freien Sinn;

Die stickte mit stolzer Seide

Meinen stolzen Namen darin.

 

Und morgens, um halber viere,

Da hat der Hahn gekräht;

Nun schnüre seinen Ranzen,

Wer auf die Reise geht!

 

Und morgens, um halber fünfe,

Da hab ich meinen Vater geweckt;

Der hat drei rostige Kronen

In meinen Sack gesteckt.

 

Wir standen unter der Linde,

Da ward mein Herz so schwer;

Meine treue Mutter meinte,

Sie sähe mich nimmermehr.

 

Mein Vater ward so stille,

Meine Schwester schluchzte darauf -

Da ging in den Weizenfeldern

Die goldene Sonne auf.

 

Und vor den Toren klang es:

"Ade, du dumpfige Stadt!

Nun freue sich, wer ein freies,

Ein lustiges Leben hat!"


Das Gedicht "Der Abschied" stammt von   (1822 - 1856).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Empfehlungen

Weitere gute Gedichte des Autors:

 

Weitere gute Abschiedsgedichte zum schmökern.

 



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte