Das ist das Haus am schwarzen Moor!

Wer dort im letzten Winter fror,

Der friert dort nicht in diesem Jahr -

Er sank schon längst auf die Totenbahr.

 

Das ist das Haus am schwarzen Moor,

Das Haus, wo der alte Jan erfror.

Zur Tür gewandt das weiße Gesicht,

Starb er und wußt es selber nicht.

 

Er starb. - Da kam, wie ein scheues Reh,

Der Tag und hüpfte über den Schnee.

"Guten Morgen, Jan! Guten Morgen, Jan!" -

Der Jan keine Antwort geben kann.

 

Da erhuben die Glocken ihr hell Geläut,

Sie sangen und klangen und riefen so weit:

"Guten Morgen, Jan! Guten Morgen, Jan!" -

Der Jan keine Antwort geben kann.

 

Da kamen die Kinder aus der Stadt:

"Wir wissen, wie lieb er uns alle hat;

Guten Morgen, Jan! Guten Morgen, Jan!" -

Der Jan keine Antwort geben kann.

 

Tag, Glocken und Kinder er nicht verstund.

Da nahte die sonnige Mittagsstund,

Da nahte ein armes Weib: "Mein Jan,

Willst essen und trinken nicht, alter Mann?

 

Sieh, was ich brachte dir aus der Stadt;

Sollst froh nun werden und warm und satt!" -

Die Alte sah lange auf ihren Jan,

Da fing sie bitter zu weinen an.

 

Da weinte sie an dem schwarzen Moor,

Am Moor, wo der alte Jan erfror;

Da weinte sie ihr brennend Weh

Hinunter in den kalten Schnee.


Das Gedicht "Das ist das Haus am schwarzen Moor" stammt von   (1822 - 1856).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Empfehlungen

Weitere gute Gedichte des Autors:



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte