Es brennt mir unter beiden Sohlen,

Tret′ ich auch schon auf Eis und Schnee,

Ich möcht′ nicht wieder Atem holen,

Bis ich nicht mehr die Türme seh′.

 

Hab′ mich an jeden Stein gestoßen,

So eilt′ ich zu der Stadt hinaus;

Die Krähen warfen Bäll′ und Schloßen

Auf meinen Hut von jedem Haus.

 

Wie anders hast du mich empfangen,

Du Stadt der Unbeständigkeit!

An deinen blanken Fenstern sangen

Die Lerch′ und Nachtigall im Streit.

 

Die runden Lindenbäume blühten,

Die klaren Rinnen rauschten hell,

Und ach, zwei Mädchenaugen glühten. -

Da war′s gescheh′n um dich, Gesell!

 

Kommt mir der Tag in die Gedanken,

Möcht′ ich noch einmal rückwärts seh′n,

Möcht′ ich zurücke wieder wanken,

Vor ihrem Hause stille steh′n.


Das Gedicht "Rückblick" stammt von (* 1794-10-07, † 1827-10-01).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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