Ich möchte schweigend, Lieber, dich umfangen,

Gehüllt in süße, bange Dämmerungen.

Es wird so viel zu meinem Preis gesungen,

Daß mir die Lust am Liede fast vergangen.

 

Wärst du so heiß von seligem Verlangen,

Wie eine Lilie, deren weiße Zungen

Den langen Tag nach kühlem Trost gerungen,

Bis daß sie müd′ und matt zur Erde hangen:

 

Komm her zu mir, ich gebe dir zu trinken,

So viel du magst, mein treuer deutscher Zecher,

Aus meinem bodenlosen Liebesbecher!

 

Siehst du die hellen Thauestropfen blinken

Dort an den Lilien in der Morgensonne?

Wie mäßig schaltet ihr mit meiner Wonne!

 

(Gedichte aus den hinterlassenen Papieren eines reisenden Waldhornisten)


Das Gedicht "Mai" stammt von   (1794 - 1827).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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