Es saß ein Fink auf grünem Zweig,

Der war so frisch und blätterreich,

Und sang wohl dies und jenes;

Durch Lenz und Sommer und Herbst er sang,

Hätt da gesungen sein Lebelang,

Wär nicht der Winter kommen.

 

Der Winter kam mit Saus und Braus:

»Ihr Müßiggänger, zum Reich heraus,

Ihr Flattrer und Sänger und Horcher!

Herab vom Baum, du grünes Blatt!

Zum Bauen und zum Brennen hat

Der Herr das Holz erschaffen.«

 

Da geht im Hain das Schütteln los,

Und flugs steht alles blank und bloß,

Bis auf den Zweig des Finken.

Jetzt, naseweises Vöglein, flieh!

Mit solcher Staatsökonomie

Da ist nicht viel zu spaßen.

 

Und ′s Vöglein flog und sang: »Ade!«

Da warf der Winter Reif und Schnee

Ihm hintendrein, und trafs nicht.

Der Finke lacht′ aus voller Kehl:

»Bewahre Gott jede Christenseel

Vor diesem Landesvater!«

 

Und als ich ′mal nach Welschland zog,

Manch Vöglein mit dem Wandrer flog,

Da war auch jenes drunter:

Und wär′s gewest eine Nachtigall,

So hätt mein Lied einen bessern Schall,

Ich hab′s ihm nachgesungen.


Das Gedicht "Des Finken Abschied" stammt von   (1794 - 1827).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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