Mit der Fiedel auf dem Rücken,

Mit dem Kappel in der Hand,

Ziehn wir Prager Musikanten

Durch das weite Christenland.

 

Unser Schutzpatron im Himmel

Heißt der heilge Nepomuk,

Steht mit seinem Sternenkränzel

Mitten auf der Prager Bruck.

 

Als ich da hinausgewandert,

Hab ich Reverenz gemacht,

Ein Gebet ihm aus dem Kopfe

Recht bedächtig hergesagt.

 

Steht also in keinem Büchel,

Wie man′s auf dem Herzen hat:

Wanderschaft mit leerem Beutel,

Und ein Schätzel in der Stadt.

 

Wenn das Mädel singen könnte,

Wär′s gezogen mit hinaus,

Doch es hat ′ne heisre Kehle,

Darum ließ ich es zu Haus.

 

Ei, da gab es nasse Augen,

′s war mir selbst nicht einerlei:

Sprach ich: »′s ist ja nicht für ewig,

Schönstes Nannerl, laß mich frei!«

 

Und ich schlüpft aus ihren Armen,

Aus der Kammer, aus dem Haus,

Konnt nicht wieder rückwärts schauen,

Bis ich war zur Stadt hinaus.

 

Da hab ich dies Lied gesungen,

Hab die Fiedel zu gespielt,

Bis ich in den Morgenlüften

Auf der Brust mich leicht gefühlt.

 

Manches Vöglein hat′s vernommen:

Flög nur eins an Liebchens Ohr,

Säng ihr, wenn sie weinen wollte,

Dieses frische Liedel vor!

 

Wenn ich aus der Fremde komme,

Spiel ich auf aus anderm Ton.

Abends unter ihrem Fenster:

»Schätzel, Schätzel, schläfst du schon?«

 

Hoch geschwenkt den vollen Beutel,

Das gibt eine Musika!

′s Fenster klirrt, es rauscht der Laden,

Heilige Cäcilia!

 

All ihr Prager Musikanten,

Auf, heraus mit Horn und Baß,

Spielt den schönsten Hochzeitreigen!

Morgen leeren wir ein Faß.


Das Gedicht "Der Prager Musikant" stammt von   (1794 - 1827).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte