Der Müller:

 

Wo ein treues Herze

In Liebe vergeht,

Da welken die Lilien

Auf jedem Beet;

 

Da muß in die Wolken

Der Vollmond gehn,

Damit seine Tränen

Die Menschen nicht sehn;

 

Da halten die Englein

Die Augen sich zu

Und schluchzen und singen

Die Seele zur Ruh.

 

Der Bach:

 

Und wenn sich die Liebe

Dem Schmerz entringt,

Ein Sternlein, ein neues,

Am Himmel erblinkt;

 

Da springen drei Rosen,

Halb rot und halb weiß,

Die welken nicht wieder,

Aus Dornenreis.

 

Und die Engelein schneiden

Die Flügel sich ab

Und gehn alle Morgen

Zur Erde herab.

 

Der Müller:

 

Ach Bächlein, liebes Bächlein,

Du meinst es so gut:

Ach Bächlein, aber weißt du,

Wie Liebe tut?

 

Ach unten, da unten

Die kühle Ruh!

Ach Bächlein, liebes Bächlein,

So singe nur zu.


Das Gedicht "Der Müller und der Bach" stammt von   (1794 - 1827).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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