Der Reif hatt′ einen weißen Schein
Mir über′s Haar gestreuet.
Da meint′ ich schon ein Greis zu sein,
Und hab′ mich sehr gefreuet.
Doch bald ist er hinweggethaut,
Hab′ wieder schwarze Haare,
Daß mir′s vor meiner Jugend graut -
Wie weit noch bis zur Bahre!
Vom Abendroth zum Morgenlicht
Ward mancher Kopf zum Greise.
Wer glaubt′s? Und meiner ward es nicht
Auf dieser ganzen Reise!
Das Gedicht "Der greise Kopf" stammt von Wilhelm Müller (1794 - 1827).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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