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Jesuitenbeichte


Nach dem Französischen

 

»Ich liebte zwanzig Mädchen nach der Reihe,

Und jeder war mein ganzes Herz geweiht,

Und jede schwur mir heute ew′ge Treue,

Und brach schon morgen ihren heil′gen Eid.

Da schwur und flucht ich keinem Weib zu trauen.«

»Mein Sohn, wer flucht, der sündiget. Allein

Die Schuld liegt diesmal wirklich an den Frauen;

Du sollst versöhnet und entschuldigt sein.«

 

»Weil ich Bestechung haßte wie die Hölle,

Fand mein Minister mich zu ungeschickt;

Und einem feilen Kerl gab er die Stelle,

Der sich vor seinem Kammerdiener bückt;

Da wünschte ich Herrn C . . . zum Teufel.«

»Mein Sohn! welch rohe Leidenschaft! Allein

Bei kaltem Blut bereust du ohne Zweifel;

Du sollst entschuldigt und versöhnet sein.«

 

»Mit schönen Worten, blendenden Versprechen,

Hat ein bekannter Herr mich arm gemacht,

Und um mich für die Tausende zu rächen,

Um die mich der Verräter hat gebracht,

Schalt ich Herrn V . . . einen Beutelschneider.«

»Mein Sohn! das Wort war freilich grob.

Allein Die Welt nennt ihn mit diesem Namen, leider!

Du sollst entschuldigt und versöhnet sein.«

 

»Das ›Sakrileg‹, ich will′s gestehen, nannte

Ich ein Gesetz für Sklaven nur gemacht,

Der Menschheit Schmach und des Jahrhunderts Schande,

Und P . . ., ihn, der es ausgedacht,

Schalt ich den Mörder aller freien Seelen.«

»Mein Sohn! das war ein derber Schimpf.

Allein Du irrtest menschlich, irren heißt nicht fehlen;

Du sollst entschuldigt und versöhnet sein.«

 

»Und als ich diese arme Welt bedachte,

Und sah, wie alles schief und irrig geht,

Wie man die Tugend und das Recht verlachte,

Und wie jetzt Trug und Laster oben steht,

Da - hielt ich Gott für einen leeren Namen!«

»Mein Sohn! du hast dich schwer verfehlt. Allein

Gott ist barmherzig gegen Sünder, amen!

Du sollst entschuldigt und versöhnet sein.«

 

»Ich liebte Eintracht in Palast und Hütten,

Doch als ich schleichend wiederkehren sah

Die Zwietracht an der Hand der Jesuiten,

Da schwur ich ew′gen Haß Sankt Loyola,

Und ew′gen Haß und Rache seinen Söhnen!«

»Mein Sohn! ich bin die Langmut selbst. Allein

Das heißt fürwahr das Heiligste verhöhnen!

Vor Uns und Gott kannst du nicht schuldlos sein.«



(* 29.11.1802, † 18.11.1827)




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