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Quelle der Nymphe Egeria in Nemi


Wär′s wahr, o Nymphe? hätte den Dichter wohl

Vielleicht des Felsquells Lieblichkeit nicht getäuscht,

Du wärst es, ewig fließend Wesen,

Das hier den Verghang hinuntermurmelt,

 

Du wärst, als Numa, deinen Pompil, der Tod

Zur Schattenwelt entführte, vor Schmerz und Weh

An dieses Hügels Felsenwurzel

Wärest vergangen in Thränenströmen?

 

Dein hätte sich die taurische Artemis

Erbarmt, dein jammernd Flehen geendet dir?

O dann, du Bergstrom, küss′ erfrischend,

Küsse mir, Nymphe, die heißen Lippen.

 

Aus Treue sterben! Schönster Gedanke du,

Aus unsern Tagen lange hinweggeflohn

Ins Reich der Dichtung, in die Zeiten,

Da ihn die Menschen von Göttern lernten.

 

Aus Treue sterben! Seliger Knabentraum,

Du Stolz des thatenglühenden Jünglinges,

Du überschwänglich Wort der Liebe,

Grausamer Spott des enttäuschten Pilgers!

 

Aus Treue sterben! Königsgeliebte du,

Mit Trauer deinem ewig lebend′gen Grab

Nah′ ich, dir eine Schuld bekennend:

Höre mich, Sterbende! Nimmer glaubt′ ich

 

An Menschentreue. Wie es so kam, es sei

Vergessen - aber Nymphe, wenn wahr, daß du

Gestorben für Pompil, so laß mich

Artemis hier für den Frevel büßen.

 

Ich will ja glauben, Göttliche, daß du treu

Dem Freund geblieben; denn von olympischem

Ursprung ist ja dein Herz: der Erde

Kinder nur hab′ ich nicht treu gefunden.

 

An deinem Felsen, einsamer alter Hain,

Hier, wo Orest einst mit Iphigenien

Der taur′schen Göttin Bild geflüchtet,

Schau′ ich hinab zum Dianenspiegel,

 

Und schau′ und fleh′ und weine, bis mich die Huld

Der Göttin einmal plötzlich zerfließen läßt,

Und ich für meinen Glauben sterbe: -

Treu sind die Himmlischen, nicht die Menschen.



(* 21.11.1804, † 17.01.1830)




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