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Oden an seinen Eser (3)


Komm, Freund, Geleiter bin ich und Führer dir,

Komm nach Pompeji. Willig hast du mir stets

Geöffnet manchen Quell der Schönheit,

Manchen Gedanken von höh′rer Weisheit

 

Enthüllt vor mir; drum ladet der Dankbare

Dich ein zum Weinberg. Hoch an der Ulme rankt

Vieläst′ge fruchtbelad′ne Rebe,

Wurzelnd und blühend aus tausendjähr′ger

 

Vulkan′scher Asche. Drunten im großen Grab

Schlief eine Stadt, der Götter und Menschen voll,

Als noch die Sonn′ ihr schien; verlassen

Aber von beiden, da sie des heißen

 

Schreckbaren Regens tödtlich Gewölk bedeckt,

Aus dessen Graus nun wieder der Tempel steigt,

Und heit′re Säulen, und das farb′ge

Kleine Gemach, die gemalte Hausflur,

 

Und selbst des Forums tempelumragter Platz,

Da längst gestürzt ist früherer Götter Dienst

Und jene, die des Donn′rers Adler

Und Amathusiens Rosen ehrten,

 

Des Heidenthums holdsinniger Name schmückt

Die Glücklichen! Der kalte Gedanke, wie

Empfindung, Wunsch, und Schmerz und Sehnsucht,

Alles zum heitern Bild verklärte

 

Sich ihrem frischen schöpfrischen Geist. O Freund,

Komm, sieh und fühl′s hier, offen ist Thür′ und Haus,

Komm, dich umfängt der Säulen Anmuth,

Dich des verschwiegnen Gemaches Schönheit.

 

Sagt dir′s nicht selbst die bunte gemalte Wand,

Der Arabesken schwärmende Phantasie,

Und all′ der Bilder Lieblichkeit nicht,

Wie sie gefühlt und gedacht, die Vorwelt?

 

O Freund, was wären wir, wenn Jahrtausende

Zuvor uns dieses Himmels Azur geblüht,

Däucht mir doch, jener bessern Zeit ist

Wenigstens unsere Freundschaft würdig.



(* 21.11.1804, † 17.01.1830)




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