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Lieder aus Sorrent (2)


Wähle, Göttin der Liebe, mit den Grazien

Heute Paphos zum Sitz und morgen Knidos,

Ich beneide dich nicht; denn bald lockt Capri′s

Morgenländischer Fels in seine Stille;

Bald zu Ischia′s duft′gen Bergen rudr′ ich;

Bald aus Reben- und heitern Säulentempeln

In Pompeji die See und Thal und Ufer

Und blauschattig Gebirg und Insel seh′ ich,

Bald aus wildem Getöse des Toledo

Flücht′ ich mich in Sorrent′s Orangenhaine.

 

Ja, geliebt ist der Berg dir wohl, der schöne,

Jener Stammberg im eb′nen Schwaben mein′ ich,

Der dir Eigenthum fast geworden, dessen

Wolkenscheitel den Schmetterling dir sandte,

Und der Zeuge des Becherklangs gewesen,

Als großsinnige Freunde mein gedachten

Sei er beiden gelobt, der Hohenstaufe,

Paladin des gewalt′gen Schwabens sei er,

Capitol uns genannt des Heldenhauses!

Aber schöner noch ist des Deutschen Erbland.

Frage Friedrich den Kaiser, frage Manfred!

 

Hier auf blühenden Felsen, die der Abend

Purpurn färbt und der frische Meerwind kühlet,

Hier im ewigen Schatten der Citrone,

Freund, umathmen mich Lüfte rein und milde,

Wie die Götter sie trinken! Klar und helle

Lockt zum Bade das heit′re Meer, es lockt die

Schatt′ge, hallende Grotte. Wie die Seele,

Die in Unschuld ich liebt′, durchs holde Auge,

Leuchtet ruhig der stille Grund der Wasser.

Selbst das Kieselchen siehst du hier, nur selten,

Dem bescheidenen Wunsch des Innern ähnlich,

Regt ein lieblicher Schauer diese Tiefe.

Hier zu kühlen den Leib und hinzuplätschern

Unterm Felsen ist Wonne, nur dem Seegott

Und der lüsternen Nymphe ganz gegeben.

Aber steige die Nacht, die kühle, holde,

Steige nur den gewund′nen Pfad der Felsschlucht

Hier empor, und die Last der üpp′gen Pflanzen,

Die verschwenderisch niederhängt und schwellend

Grünt und wuchert, erblicke sie mit Staunen,

Und schon lachen die Gärten dir entgegen,

Weinlaub rankt sich empor, in stolzem Wuchse

Blühet über der Mauer die Orange,

Die Granate, der Lorbeer und die Feige.

Was im kindischen Drang′ der ersten Liebe

Von Elysiums Früchten du geträumet,

Glänzt und duftet dir zu, aus ew′gem Grüne

Schimmert ebenen Dach′s das Haus, die Kirche.

Sieh′, es öffnet das Thor sich schon der Mauer,

Und der schattige Hofraum und der Brunnen,

Trepp′ und Laube, vielleicht ein braunes Mädchen

Ladet ein, und die schwere Traube nimmst du

Oder Feig′ und Orange selbst vom Baume.

Nachtigallen geweiht sind diese Haine;

Denn so voll und gedrängt ist Frucht an Frucht und

Blüth′ an Blüthe, daß kaum durchs Laub der Erde

Allerlieblichstes, kaum der Himmel glänzet.

 

Aber rühmt′ ich dich nicht, o meine Freude,

Heimisch Dach, wo mich oft die Ghibellinen,

Rothbart oft und der große Friedrich und des

Kaisers ähnlichster Sohn, der schöne Manfred,

Oft der sterbende Konradin begeistert?

Denn in Reizen der ew′gen Jugend schimmert

Mir das goldene Erbland vor den Augen,

Meer und Golf und die Stadt und selbst der Himmel.

Hoch auf ländlichgetünchten Säulen ranket

Weinlaub über das Dach und reicht des Morgens

Kühlen Schatten, bis bald des weißen Daches

Heller Schimmer, der Lüfte Glanz mich blendet.

Abends aber auch nimmt es schon den Müden

Wieder auf; denn die Sonne brennt im Laube

Schon mit röthlichem Gold, und tausendfältig

Glühn die glänzenden Gärten; drüber lächelt

Blau die See und der schöne Berg im Dufte,

Der den zartesten Rauch die Lüfte hinströmt,

Dem weißschimmernde Städte, gleich Juwelen,

Fuß und Ufer begränzen. Doch nach Bajä′s

Zarten Hügeln und nach Misen zu blicken,

Nicht vergönnt es der Sonne Pracht. Schon sinkt sie

Ueber Procida nieder, übergossen

Wie von flammendem Wein; vom Lichte trunken

Leuchten rosige Berg′ und fast in Wollust,

Dünkt mir öfter, verschmachtet Mutter Erde.

 

Da, o Freund, auf dem theuern Dach beim Mahle

Denk′ ich Großes, und fühle Muth und Stärke,

Und den Träumenden überrascht das Dunkel;

Sterne blinken hervor und Purpurröthe

Glühet auf dem Vesuv, die holde Nacht hin;

Denn nur schön ist der Berg, wenn ihm die Flamme

Hoch entlodert; nur schön das Herz, wenn′s Liebe,

Ruhm und Ehre zu großem Kampf entzündet.



(* 21.11.1804, † 17.01.1830)




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