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Lieder aus Capri (9)


O Einsamkeit, wo ihre schweren Sünden

Des Weltbeherrschers Tochter einst beweinte,

Wie läß′st du ganz mich ihre Qual empfinden!

 

Die einst ihr der Verbannten Haus umgrauet,

Schreckbare Felsen, deren kahle Wildniß

Ins öde grüne Meer hinunterschauet,

 

Verlaßner Strand, wo nur die Woge brandet,

Wo an der hochumrauschten Fischerhütte

Schon lange Boot und Kahn nicht mehr gelandet;

 

Ihr bargt ein Herz, in Sinnenlust verwildert,

Von Qualen einer Leidenschaft durchwühlet,

Wie keines Byrons Schmerz sie noch geschildert.

 

Leicht ist dem besten Herzen ein Verbrechen,

Sobald es liebt, noch leichter ist′s dem kalten

Fühllosen Zorn zu strafen und zu rächen.

 

Schnell ist die strenge Welt bereit zu richten,

Weil sie ein flammendes Gefühl der Liebe

Nicht schaffen kann, so will sie′s doch zernichten.

 

O Julia, laß mich theilen deine Thränen,

Die Schwermuth der Verbannung, die Erinn′rung

Vergangner Lust, verlorner Heimath Sehnen.

 

Auch meine Liebe hat sie schlimm gedeutet,

Die fluchbeladne Welt, und ihre Blumen

Wie giftig Unkraut gänzlich ausgereutet.

 

Auch mir lag eine Julia in den Armen,

Und Schuld und Unschuld, ach sie nannte beides

Verbrechen ohne Scheu und ohn′ Erbarmen.

 

So schließe denn der Felsen alte Trauer

Uns ein, und gern, verstoßne Kaisertochter,

Umarm′ ich hier dich ohne Furcht und Schauer.

 

Sie mögen höhnisch unsre Namen schmähen,

Mir bleibt mein Herz, und jene matten Stimmen

Laß sie im Meeresbrausen untergehen.



(* 21.11.1804, † 17.01.1830)




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