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Lieder aus Capri (5)


Es baut der Mensch im wohlbepflanzten Garten,

Und zieht der Rebe fruchtbares Gewinde

Von Baum zu Baum in freudigem Erwarten.

 

So grünt denn selbst, vom Menschenfleiß bebauet,

Der kahle Fels, der aus dem Meere starret,

Der Gärtner erndtet, weil er fest vertrauet.

 

Vom Vogelfange nähret sich der Arme,

Die steilste Klippe weiß er zu erklettern,

Und lauert kühn nach dem verborgnen Schwarme.

 

Er zittert nicht, wenn er zum Abgrund schauet,

Wo tief die grüne Meereswoge brandet,

Erreicht die Beute, weil er fest vertrauet.

 

Das Element des Fischers ist die Welle,

Sein Boot ist sicher, und er achtet′s wenig,

Ob′s um ihn schäum′ und auf und nieder schwelle,

 

Er kennt die See, so wie sein Haus; ihm grauet

Vor ihrer Falschheit nicht, er senkt die Netze,

Und er gewinnet, weil er fest vertrauet.

 

Erscheint mir so der Gärtner in Gedanken,

Der Jäger auf dem luft′gen Felsenwege,

Der Fischer in des Wassers wildem Schwanken,

 

Und fällt mir ein, worauf ich einst gebauet,

Auf Lieb′ und Treu′ und Wort, so find′ ich leider,

Daß ich verloren, weil ich fest vertrauet.

 

Den Glücklichen ist alle Ruh beschieden,

Ich aber jage nur nach eitlem Ruhme,

So sah denn auch noch keiner mich zufrieden.



(* 21.11.1804, † 17.01.1830)




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