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Lieder aus Capri (13)


In solcher Einsamkeit, wer sollt′ es meinen,

Daß mir zuweilen auch der heitre Eros,

Und alle Grazien lächelnd mir erscheinen.

 

Jüngst fuhr ich von Parthenope herüber,

Und sieh im engen schweren Capriboote

Saß eine schöne Frau mir gegenüber.

 

Zwar sah ich meist hinab in Fluth und Wogen,

Doch läugn′ ich nicht, daß manchmal meine Augen

Geheime Lust aus ihren Blicken sogen.

 

Und mußt′ ich mich vom Sonnenglanze wenden,

Wenn′s Meer ihn wiederstrahlt, begann auch wieder

Ihr holdes Aetherauge mich zu blenden.

 

Und nicht so schön erhoben sich die Wellen,

Und sanken, als ich ihren jungen Busen,

Das dünne Kleid sah auf und nieder schwellen.

 

Wir sprachen viel, doch eben nur vom Winde,

Wir sahn die Fische hüpfen übers Wasser,

Ich lachte wohl auch mit dem hübschen Kinde.

 

Es kam die Nacht, und sie verschwand im Dunkel,

Wir freuten uns mit jedem Ruderschlage

Jetzt an des Meeres strahlendem Gefunkel.

 

Da breitete die schwarzen jähen Wände

Das Felseneiland um uns aus, - wir sahen

Des Strandes Lichter, unsres Weges Ende.

 

Schon hörte sie des frohen Vaters Rufen,

Der alte Fischer schließt sie in die Arme,

Nun gute Nacht! Und meine Felsenstufen

 

Wandr′ ich empor mit ungetrübtem Sinne

Zwar es verliert, wer Kraft hat zu entsagen,

Doch leicht ist der Verlust vor dem Gewinne.



(* 21.11.1804, † 17.01.1830)




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