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Die Grotte der Diana am Albanersee


O du vom heil′gen Boden der Fabelwelt,

Vom Frühlingsgarten meines Hesperiens,

Von meiner Sehnsucht Grab und Wiege

Süßestes, theuerstes Schattenplätzchen!

 

Wohin die Schwermuth flüchtet, die Ewige

Verlassend, die Jahrtausende nicht gelehrt

Ihr stolzes Herrscherhaupt zu bücken,

Roma, die Einsame, wie die Eine!

 

Denn also ist des Menschen Gemüth. Der Geist,

Der einsam lastet über den Trümmern all′,

Oft drückt er, und ein starkes Herz zürnt,

Wenn sich die Hehre vor ihm entfaltet,

 

Einst ach so großer Thaten und Götter voll,

Noch ohne Lorbeer glühet der Genius,

Und Scham ihm, gleich der Purpurblüthe

Künftiger Früchte, die Wange röthet.

 

Zu schwach auch ist er. Immer im Tempel selbst

Verharrt die Andacht nicht. Der Olympier

Legt oft den Donnerkeil zur Seite,

Ueber den schlummernden Kronos lächelt

 

Die Charis. Eilig flieg′ ich zu dir alsdann

In kühles Dunkel, wo den Erinn′rungen

Der fernen Vorwelt noch zum Denkmal

Epheugehänge dem Fels entsinken.

 

Da stört sie nicht in mächtiger Wirklichkeit

Die Ruhmsucht auf: sie wehet dem Lüftchen gleich,

Sie dämmert, wie die Abendröthe,

Duftet, wie Rosen, ums Angesicht mir.

 

So ist′s dem Kühnen, der aus der wogenden

Urnacht des Meeres schwindelnd hervorgetaucht,

Noch taumelnd von den Wundern allen,

Die er gesehen im ew′gen Abgrund.

 

Wie mir′s ist, wenn ich deiner Gewalt entfloh,

O Rom, und dennoch hängt mein Gedank′ an dir,

Herakles du der Weltgeschichte,

Nur daß ich ihn in der Wiege denke.

 

Denn wo die Fluth so selig durch Frühlingslaub

Vorblinkend, dort am felsigen Ufer spielt,

Stand ja die Mutter Alba, die ihr

Leben geopfert dem Zorn der Tochter.

 

Doch nicht die Schlachten, nicht die zerstörenden

Streitkräfte, nicht des Kriegesgetümmels denkt

Mein Geist; es jubeln hier und singen

Liebliche Vögel zurück die Götter,

 

Die alten, die zur Heimath das Seegestad,

Der Grotte Dunkel, und dies erquickliche,

Dies ew′ge Grün gewählt, und heimlich

Noch ihr unsterbliches Leben führen.

 

Die Menschen ja vergess′ ich so leicht und gern,

Nur Eine Scheu ist′s, die mich beängstiget,

Ob nicht dem Grottenbad entsteigend,

Plötzlich die Jägerin mir erscheine.



(* 21.11.1804, † 17.01.1830)




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