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Deutscher Künstler in Rom


Elegie.

 

O wann kehret die Zeit, die unschätzbare, alte, vergangne,

Wann der Frühling der Kunst wieder ins Leben zurück?

Allgemein, wie die Sonne, war einst die Kunst, es erfreute

Ihr erquickliches Licht jedem das offene Herz.

Welch ein Wechsel! Ach nun ist sie dem Leben entflohen,

Nur noch in Gallerien, auf dem Katheder ist sie.

Schwach ist die Liebe für sie, die Pensionen noch schwächer,

Schirmlos, arm und entblößt steht die Verschmachtende da.

Willen haben wir wohl, will′s Gott auch Kraft und Gedanken,

Wenigstens Hände, doch fehlt einzig das leidige Geld.

Kommt ein Wechselchen an, so kommt auch der Wirth und der Schuster,

Kommt der Schneider, und fast reißen in Stücke sie mir′s.

Allzutheuer ist mir ein Modell: ich kann′s nicht erschwingen,

Farb′ und Leinwand! es läuft jämmerlich gleich mir ins Geld.

Was der Pöbel verlangt, der unverständige, mach′ ich,

Statt für Ehr′ und für Kunst schaff′ ich fürs tägliche Brod.

Meiner Sehnsucht und meiner Idee, dem schöpfrischen Drange

Ist mir nur selten zu glühn, doch nicht zu folgen vergönnt.

Hab′ ich etwas vollendet, so hab′ ich Schulden; bezahl′ ich,

Bleibt mir weder das Bild, noch der geringe Erwerb.

Und was das ärgste mir ist, ich muß zusehn, wie man die Arbeit

In der Schenke, wie man gar sie im Kunstblatt beschimpft.

Jeder erlaubt sich zu kritteln, und keiner bezahlt: wer ein Aug′ hat,

Rezensirt, und mir ist keine Vertheid′gung erlaubt.

Denn es ist wahr, im Schreiben sind wir nicht immer die Besten,

Und so rauft sich und zieht jeglicher Sudler mich durch.

Einige Jahre vielleicht studir′ ich in Rom, und studire

Mehr als alles, wie man heutigen Tags sich behilft.

Keine Ruh′ erquickt mich: denn niederträcht′ge Kabalen,

Eifersucht, Bosheit und Neid rauben mir Frieden und Lust.

Geh′ ich unter die Leute, so grüßen sie freundlich, und scheid′ ich,

Machen sich alle sogleich über mich Armen sich her.

Jeder verkleinert den andern, und jeder lästert und schadet,

Jeder gilt nur, indem andre zu Pfuschern er macht.

Statt sich wechselnd mit Rath und Verstand und Erfahrung zu helfen,

Deckt sich jeder, indem andern den Schleier er lüpft.

So verbittern die Leiden der Kunst auch die Freuden des Lebens,

Und im geselligen Kreis forscht man die Schwächen sich aus.

Doch es liebt sich der Deutsche den Wein, und ohne die Schenke

Kann er nicht leben, so sucht Abends den Deutschen er auf.

Dutzende sitzen beisammen in uralt römischer Höhle,

Kaum durch ein düsteres Loch stiehlt hier der Tag sich herein.

Unser Mahl ist frugal, doch trinken wir gern, und im Dampfe

Derben Tabackes vergißt leicht man den heimlichen Feind.

So bis Mitternacht oft wird geplaudert; es flieht uns der Römer,

Denn er scheut den Taback, wie das barbarische Deutsch!

Aber den andern Tag giebt′s viel zu sprechen von gestern,

Was der eine gesagt, wird von dem andern verhöhnt.

Nun wird gedreht und gedrechselt, geschimpft und tüchtig verleumdet,

Und durchs germanische Rom läuft′s wie ein Feuer herum.

Spricht man ein kräftiges Wort, so lauschen die Frommen, wie Nattern,

Spricht man ein Urtheil, so wird′s gleich von der Dummheit verlacht.

Nichts bleibt verborgen, sie wissen es all, und wenn du gehustet,

Deutelt′s den folgenden Tag auch schon der Pincio dir aus.

Ja, zur Karikatur strengt sich die gerunzelte Hand an,

Die vor Jahren dem Herrn erst noch die Stiefel geputzt.

Aber Bedientenwitz träuft nur wie Regen auf Lorbeer

Ohne Schaden und wird, was er auch ist, nur zu Koth.

Kommt denn endlich ein Abschied heran, und scheidet ein Bruder,

Und versammelt man sich nun in der Schenke zum Fest,

Singt man ein deutsches Lied nach Burschenweis′, und erhält man

Alten Trinkbrauch, der noch mächtig ermuntert, im Gang,

Wird herkömmlicher Witz vom Schultheiß und von den Schwaben

Nun zum hundertstenmal auch zu dem Abschied gebracht.

Gleich kommt wieder ein Neuer: der Scheidende trifft schon am Thore

Seinen Landsmann und wird trefflich des Abend ersetzt.

Kommt man aber hinaus, so beginnt die Noth erst entsetzlich,

Und das Leben in Rom scheint jetzt ein glücklicher Traum,

Dann ist man froh und begnügt sich, ein Stammbuchblättchen zu malen,

Drunter schreibt man: ich bin Künstler und war einst in Rom.



(* 21.11.1804, † 17.01.1830)




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