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Der Thurm des Nero


Gerne, wenn der Abend aus Schattenthälern

Aus dem Felde steigt, das des Capitoles

Majestät und finster des Kaiserhügels

Trümmer umragen,

 

Gerne dann im einsamen Hause sitz′ ich

So das müde Haupt mit dem Arme stützend,

Wie es oft die Trauernden thun, die Freunde

Ernster Gedanken.

 

Und hinüber blick′ ich, wo alter Sag′ ein

Schaurig Denkmal, mitten in grauer Kirchen

Frommen Kreis der Thurm des Tyrannen noch zum

Himmel emporstarrt;

 

Schon entschwand die goldene Sonn′, es dunkelt

Abendblau in düsterem Duft um Berg und

Thurm und Kirch′ und schwarzen Ruin, die Erde

Dunkelt, die Nacht kommt.

 

Flammen aber röthen die Lüfte noch, und über′m

Weiten graunerweckenden Bilde Roma′s

Glüht in langen purpurnen Strömen noch ein

Blendendes Feuer.

 

Da nun mein′ ich, hoch auf dem Schattenthurme

Sitze der Tyrann mit der Laut′, und sänge

Troja′s Schicksallied, und der Himmel sprühe

Nur, weil der Erde

 

Königin entbrannt. Da erschallt der Abend-

Glocken tausendstimmig Geläut: als ob des

Kaisers furchtbar Lied in die Flammen tönte,

Dünkt mir dann oftmals;

 

Und allmählich schweigt es in Todtenstille,

Selbst die Gluth des Himmels erbleicht, die Nebel

Rauchen aus den Thälern, die Nacht deckt Rom, es

Schlummert im Grabe.



(* 21.11.1804, † 17.01.1830)




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