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Das traurige Röslein


Ein Röslein war gar nicht munter,

weil es im Topfe stand,

Sah immer traurig hinunter

Auf die Blumen im freien Land.

Die Blumen nicken und winken.

Wie ist es im Freien so schön,

Zu tanzen und Tau zu trinken

Bei lustigem Windeswehn.

Von bunten Schmetterlingen

Umgaukelt, geschmeichelt, geküßt;

Dazwischen der Vöglein Singen

Anmutig zu hören ist.

Wir preisen dich und loben

Dich, fröhliche Sommerzeit;

Ach, Röslein am Fenster droben,

Du tust uns auch gar zu leid.

Da ist ins Land gekommen

Der Winter mit seiner Not.

In Schnee und Frost verklommen,

Die Blumen sind alle tot.

Ein Mägdlein hört es stürmen,

Macht fest das Fenster zu.

Jetzt will ich dich pflegen und schirmen,

Du liebes Röslein du.



(* 15.04.1832, † 09.01.1908)




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