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Meiner Seele Seele


Welch' Drang, welch Beben

Durchgraut, durchzittert

Wie wonniger Glücksahnung

Jähe Gewißheit

Die qualmüden Sinne!

Wie schrecklich-schön

Blüht entgegen mir

In flammenden Reizen

Deine süße Gestalt!

Wie durchschau'rt mein Herz,

Das liebeschmachtende,

Deines schimmernden Gluthauges

Seligjubelnde Märchensprache!

Ach, du bist meiner Sehnsucht Ziel...

Jauchzend grüß' ich dich:

Meiner Seele: Seele!

Du bist's, die ich suchte

In dunklen Mitternächten,

Da ich rang und rang

In stummer Verzweiflung

Und kein Stern mir winkte

Vom grausamen Himmel...

Du bist's, die ich suchte,

Wenn ich einsam trank

Des Frühlings frische

Quellende Gluth

Die in alle Poren mir drang,

Den süßen Duft

Der über den Auen schwamm

Und den Busen mir schwellte

In heiliger Sehnsucht...

Du bist's, in dir wurzelt

Mit allen Fasern

Mein ganzes Sein,

Jede Knospe der Hoffnung,

All' Frieden und Glück.

Gebannt in deiner Schönheit

Magischen Lichtkreis

Lass' mich träumend vergessen,

Lass' Leben mich saugen

Von deinen Lippen,

Im Schooße dir rasten:

In holder Umarmung

Schöpf' ich Erquickung

Wie der Baum aus der Erde...



(* 07.03.1864, † 00.00.1914)




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