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Toten-Messe


Nun liegen ihre Leiber halb verscharrt,

geborsten und verwittert tief im Sand.

Verworren züngelt Haar, hoch wächst die Hand,

greift in die Nacht, die auf den Zinnen harrt.

 

Verkohlte Städte schwelen lang vorbei,

und Brücken flattern schief und ausgezackt.

Die Sonne stürzt, schäumender Katarakt,

auf morsche Schädel, Augen fahl wie Blei.

 

Durch ihre Zähne pfeift ein süßer Wind,

der warm und rosig ist von frischem Blut.

(- In Abendröten weiden Lämmer gut. -)

Schon quellen sie verwesend aufwärts lind,

 

durchdringen, Freunde, sich mit ihrem Duft,

umarmen sich in lächelnder Spirale.

Die kühlen Sterne sind mit einem Male

ganz nah und kreisen singend durch die Luft.

 

Im Rauch verbrannter Zimmer nisten sie sich ein.

Sie fahren aufgelöst durch Ozeane.

Erkennen unten Schiffe, zitternd klein:

sie, des Planeten großgewölbte Fahne.



(* 18.03.1895, † 12.06.1925)




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