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Waldweg


Fragment

 

Durch einen Nachbarsgarten ging der Weg,

Wo blaue Schlehn im tiefen Grase standen;

Dann durch die Hecke über schmalen Steg

Auf einer Wiese, die an allen Randen

Ein hoher Zaun vielfarb′gen Laubs umzog;

Buscheichen unter wilden Rosenbüschen,

Um die sich frei die Geißblattranke bog,

Brombeergewirr und Hülsendorn dazwischen;

Vorbei an Farrenkräutern wob der Eppich

Entlang des Walles seinen dunklen Teppich.

Und vorwärtsschreitend störte bald mein Tritt

Die Biene auf, die um die Distel schwärmte,

Bald hörte ich, wie durch die Gräser glitt

Die Schlange, die am Sonnenstrahl sich wärmte.

Sonst war es kirchenstill in alle Weite,

Kein Vogel hörbar; nur an meiner Seite

Sprang schnaufend ab und zu des Oheims Hund;

Denn nicht allein wär ich um solche Zeit

Gegangen zum entlegnen Waldesgrund;

Mir graute vor der Mittagseinsamkeit. -

Heiß war die Luft, und alle Winde schliefen;

Und vor mir lag ein sonnig offner Raum,

Wo quer hindurch schutzlos die Steige liefen.

Wohl hatt ich′s sauer und ertrug es kaum;

Doch rascher schreitend überwand ich′s bald.

Dann war ein Bach, ein Wall zu überspringen;

Dann noch ein Steg, und vor mir lag der Wald,

In dem schon herbstlich rot die Blätter hingen.

Und drüberher, hoch in der blauen Luft,

Stand beutesüchtig ein gewalt′ger Weih,

Die Flügel schlagend durch den Sonnenduft;

Tief aus der Holzung scholl des Hähers Schrei.

Herbstblätterduft und Tannenharzgeruch

Quoll mir entgegen schon auf meinem Wege,

Und dort im Walle schimmerte der Bruch,

Durch den ich meinen Pfad nahm ins Gehege.

Schon streckten dort gleich Säulen der Kapelle

Ans Laubgewölb die Tannenstämme sich;

Dann war′s erreicht, und wie an Kirchenschwelle

Umschauerte die Schattenkühle mich.



(* 14.09.1817, † 04.07.1888)




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