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Von Art der Deutschen Poeterey


Die Deutschen haben ein b′sonder Art und Weise /

Dass sie der fremden Völker Sprach mit Fleisse /

Lernen und wöllen erfahrn /

Kein Müh nicht spar′n /

In ihren Jahren.

 

Wie solches den ist an ihm selbs′ hoch z′loben /

Drauss man ihr Geschicklichkeit gar wol kan proben /

Wenn sie nur auch ihr eigene Sprachen /

Nit unwerth machen /

Durch solche Sachen.

 

Den ander Nationen also b′scheide /

Ihr Sprach vor ändern loben und preisen weidte /

Manch Reimen drin dichten /

So künstlich schlichten /

Und z′sammen richten.

 

Wir wundern uns dass die Poeten gschriben /

So künstlich Vers und Meisterstück getrieben /

Dass doch nit ist solch wunder /

Weil sie gschrieben b′sunder /

Ihr Sprach jetzunder.

 

Den sein Ouidius und Maro Gierte /

Nit gwesen Reimer also hoch geehrte /

Die sie in der Mutter Zungen /

Lateinisch gsungen /

Dass ihnen g′lungen.

 

Warumb sollen wir den unser Teutsche Sprachen /

In gwisse Form und Gsatz nit auch mögen machen /

Und Deutsches Carmen schreiben /

Die Kunst zutreiben /

Bei Mann und Weiben.

 

So doch die Deutsche Sprach vil schwerer eben /

Alss ander all / auch vil mehr müh thut geben /

Drin man muss obseruiren /

Die Silben recht führen /

Den Reim zu zieren.

 

Man muss die Pedes gleich so wol scandiren,

Den Dactilum und auch Spondeum rieren /

Sonst wo das nit würd gehalten /

Da sein d′Reim gespalten /

Krumb und voll falten.

 

Und das nach schwerer ist so sollen die Reime /

Zu letzt grad zsammen gehn und gleine /

Das in Lateiner Zungen /

Nit würdt erzwungen /

Nicht dicht noch g′sungen.

 

Drumb ist es vil ein schwerer Kunst recht dichten /

Die Deutsche Reim alls eben Lateinisch schlichten /

Wir mögen neue Reim erdencken /

Und auch dran hencken /

Die Reim zu lencken.

 

Niembt sich auch billich ein Poeten nennet /

Wer d′Griechisch und Lateinisch Sprach nit kennet /

Noch d′Singkunst recht thut riehen /

Vil Wort von Griechen /

Ins Deutsch her kriechen.

 

Noch dürffen sich vil Teutsche Poeten rühmen /

Sich also schreiben die besser zügen am Riemen /

Schmiden ein so hinckets Carmen,

Ohn Fuss und Armen /

Das zuerbarmen.

 

Wenn sie nur reimen z′sammen die letzte Silben /

Gott geb wie die Wörter sich uberstilben /

Das jrret nicht ihre zotten /

Ein Handt voll Notten /

Ist baldt versotten.

 

O wenn sie sollen darfür an d′Hacken greiften /

Und hacken Holtz / wenn es nit khride zu Pfeiffen /

Khridts doch zu Poltzen selber /

Sie trügen doch gelber /

Für Lorber Felber.



(* 23.08.1573, † 00.00.1624)




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