Willst du noch länger auf den kahlen böden
Nach frühern vollen farben spähn -
Auf früchte warten in den fahlen öden
Und ähren von verdrängten sommern mähn?
Bescheide dich wenn nur im schattenschleier
Mild schimmernd du genosssene fülle schaust
Und durch die müden lüfte ein befreier
Der wind der weiten zärtlich um uns braust.
Und sieh ! die tage die die wunden brannten
In unsrer vorgeschichte schwinden schnell...
Doch alle dinge die wir blumen nannten
Versammeln sich am toten quell.
Das Gedicht "Willst du noch länger" stammt von Stefan George (* 1868-07-12, † 1933-12-04).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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