Da nacht den neuen morgen noch umschattet

und dein gemach

(Ein sichres dach)

Noch lange freuden uns gestattet:

Was soll dein leises weinen

Und dein weher blick?

- Des glückes stunden meinen

Für mich ein missgeschick.

 

Es tröste dich mein schwur

Dass du auch fürder keusch mir bist

Und ich zu deinen füssen

Ergeben dich als engel nur

Beschauen will und grüssen -

Dein ganzer leib mir lieb und heilig ist -

An jedem glied

Mein haupt mit inbrunst hängt

Und mit gesenktem lid

So wie man Gott empfängt.

 

Und trenn ich mich für heut - für ferne fahrt:

Ich trage dich auf der brust verwahrt

Das seidentuch worauf dein name steht

Der mich wie ein gebet

Eh spiel und schlacht beginnen

Bestärkt und sieg mir bringt.

- O möchten dann nur meine tränen rinnen

Wann und des wächters horn zu scheiden zwingt.


Das Gedicht "Tagelied" stammt von (* 1868-07-12, † 1933-12-04).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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