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Schäfers Klage


Wie wird mir nun geschehen,

Da ich dich lassen muß,

Und dich nicht mehr soll sehen?

Ach, bittrer Scheidegruß!

Du reißest dich von mir,

O Hirtin, meine Zier!

Ich möcht′ in Angst vergehen –

Der Tod mich trennt von dir!

 

Ihr Gräslein, helft mir klagen,

Ihr Wäslein allzumal,

Die ihr sie oft getragen

Hier in dem Pegnitzthal.

Ihr seht mich jetzt allein

Und traurig treten ein.

Mich dünkt, ich hör′ euch fragen:

Wo mag die Seine sein?

 

Wie wird mir doch geschehen,

Wenn ich sie nimmer werd′,

Wo ich sie sahe, sehen

Spaziren um die Heerd′?

Wenn sie nicht mehr im Gras

Wird sitzen, wo sie saß?

Vor Leid werd′ ich vergehen,

Von Weinen werden naß.

 

Der Bach, von meinen Zähren

Vermehrt und trüb′ gemacht,

Wird auch mein Weinen mehren,

Und was ich vorgebracht,

Den bittern Scheidegruß,

Wird er in schnellem Schuß

Nachlispelnd lassen hören

Und tragen in den Fluß.

 

Ihr, die ihr sonst gesprungen,

Wenn meine Margaris

Zur Tafel euch gesungen,

Das Grasmahl machte süß,

Es wird euch keine Weid′

Wohl schmecken mehr vor Leid.

Wo Lieder sonst erklungen,

Wird heulen Traurigkeit.

 

Ach, mir wird weh′ geschehen.

Fahr′ hin, verwich′ne Freud′!

Komm an, mich blaß zu sehen!

Du kömmst, du schwarzes Leid!

Willkommen, Angst und Pein!

Ich mag nicht fröhlich sein.

Mein Licht mußt′ untergehen,

Drum, Nacht, brich du herein!



(* 25.04.1626, † 12.06.1681)




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