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Entworfene Gedanken...


...von der Nichtigkeit des

menschlichen Lebens und Freudigkeit zum Sterben

 

Wie nichtig ist ein Menschen–Kind?

Wie leicht und flüchtig ist sein Leben?

Es eilt hinweg, vergeht, verschwindt!

Und ist darzu mit Angst, mit Müh und Noth umgeben.

Es ist in dieser Lebens–Zeit;

Und wärens auch aus Ophir güldne Stücke,

Pracht, Ehre, Hoheit, Ruhm und Glücke,

Doch warlich nur ein Nichts, und schnöde Eitelkeit.

Das Auge hat es kaum gesehen,

So weicht es schon zurück, da wir zugleich vergehen.

 

Ist einer ja zu Ehr und Glück,

Und grosser Würdigkeit gekommen;

So währt es einen Augenblick;

So bald der Tod erscheint, wird alles weggenommen.

Der Tod sieht gar nicht auf Gewalt,

Nicht auf Verstand, auf Munterkeit und Jugend,

Auf Reichthum, Schönheit, Kunst und Tugend.

Nicht auf Geschicklichkeit, auf Stärke und Gestalt,

Die Grossen müssen auf der Erden

So wohl als Niedrige dereinst sein Opfer werden.

 

So bald der Herr, der unsre Zeit

Und Tage in ein Buch geschrieben,

Dem Tode ruft; so wird noch heut

Des Leibes fester Bau zerstöhrt und aufgerieben.

Hier fällt ein zarter Säugling um;

Dort aber muß ein muntrer Jüngling sterben,

Hier muß ein Silber–Haupt verderben:

Und dort erfährt ein Fürst desselben Zorn und Grim.

Hier fällt ein Mann, der Potentaten,

Der Kirch und Policey gedient und klug gerathen.

 

Kein Held, kein König und kein Mann

Hat sich noch auf der Welt gefunden,

Von dem man würcklich sagen kan:

Geht! dieser hat den Tod und seine Macht gebunden.

Kein Haupt, so weise als es schien,

Vermag doch nicht ein Kraut hervor zu bringen,

Das diesen Würger könte zwingen.

Vergeblich ist der Witz! umsonst ist das Bemühn!

Kein Oel kan uns vom Tode waschen;

Wir sind von Staub und Koth, drum werden wir zur Aschen.

 

Machst du denn keinen Unterscheid,

O Tod! in deinem Niederhauen?

O nein! es muß die Niedrigkeit,

Und auch der hohe Stand dein Reich beständig bauen.

Jedoch was geb ich dir, o Tod!

Die Schuld, daß du uns aus der Welt wilst hohlen?

Der starke Gott hat dirs befohlen,

Ach! du vollziehest nur dem Höchsten sein Gebot.

Der Leib muß doch einmahl verderben,

Es ist der alte Bund; wir müssen alle sterben.

 

Geliebter Tod! dein Anblick macht

Mir nicht das allerkleinste Grauen,

Ich habe längst bey mir bedacht:

Wenn lässest du mich doch des höchsten Klarheit schauen!

Die Welt ist nur ein Marter–Haus;

Die Seele wird gedrücket und versuchet,

Der Tugend wird auch selbst gefluchet;

Drum stösset meine Brust den Seufzer täglich aus:

Ich stürbe lieber heut als morgen;

So wär ich doch erlößt und frey von allen Sorgen.

 

Ach! solte nicht ein Wanders–Mann

Den Abend–Stern mit Lust erblicken!

Die Ruhe will ihn ja alsdann

Mit ihrer Süßigkeit und neuer Kraft erquicken.

So sehn ich mich auch stets nach dir,

Weil deine Hand die Thränen von mir wischet,

Und mich nach Schweiß und Müh erfrischet.

Ich stelle mir die Lust der Patriarchen für.

Ein Kind der Wollust mag dich hassen;

Ich lasse mich gar gern in deine Arme fassen.

 

Ich hab erfahren und gesehn,

Daß diese Welt und ihre Rosen

Nur unter lauter Dornen stehn:

Sie sucht uns mit Betrug und Schmeicheln liebzukosen.

Die Welt ist ein Egyptenland,

Wo Dienstbarkeit und Last die Schultern quälet,

Wo man betrübte Nächte zehlet.

Drum komm geliebter Tod! damit mich deine Hand

Von dieser Dienstbarkeit befreye,

Und mir in Canaan und Salem Ruh verleihe.

 

Wenn kömmt doch meine Sterbens–Zeit!

Wenn kömmt, wenn kömmt Eliä Wagen,

Mich zu der höchsten Herrlichkeit,

Und zu der Hochzeit–Lust des Lammes hinzutragen!

Mein Gott, mir eckelt vor der Welt,

Und ihre Lust ist mir zum Abscheu worden.

Wenn komm ich doch aus ihren Orden!

Wenn werd ich doch einmahl den Engeln zugesellt!

Wenn werd ich meinen Heyland sehen,

Und in das Paradieß aus dieser Wüste gehen!

 

Ich seh im Geist und Glauben schon

Die Krone meiner Ehre bringen.

Ich höre vor des Lammes Thron:

Schlaf werthe Freundin ein! Komm! liebe Freundin! singen.

Ach! wie vergnügt will ich doch seyn,

Wenn mir der Tod mein Ende wird vermelden,

So komm ich zu den Glaubens–Helden.

Wie gerne geb ich doch hier meinen Willen drein.

Nun gute Nacht ihr Eitelkeiten!

Ich will mich nur zum Tod und seinen Kampf bereite.



(* 15.01.1711, † 11.12.1740)




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