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Ohne die Liebste ist keine Freude


Kan die Welt auch wohl bestehen

ohn der Sonnen klahres Liecht?

kan man in der Nacht auch sehen /

wenn da Stern und Mond gebricht?

kan ein Schiffman auch wohl lachen

wenn sein Schiff begündt zu krachen?

Eben wenig kan ich leben /

wenn mir meine Dorile /

nicht ihr klares Liecht wil geben;

Eben wenig ich besteh /

wenn sie nicht mein Schiff regieret /

und durch ihre Freundschafft führet.

Springt ein Rehbock bey der Mutter /

mehr nicht / als er sonsten tuht?

hat ein Pferd bey vollem Futter /

auch nicht einen frischen Muht?

Also kan ich besser leben /

wenn ihr Liecht mir wird gegeben.

Zweyen Herzen / die sich lieben /

ist die allerhöchste Pein /

und das grösseste Betrüben /

wenn sie nicht zusammen sein /

weil sie sonsten nichts gedencken /

alß nur Arm in Arm zu schrenken.

Wie die Ulmen üm den Reben

gleichsam als verliebt sich drehn:

Also wündsch ich auch / mein Leben /

bey dir umgefast zu stehn /

und dir etwas vor zusagen

von den süssen Liebes=Plagen.

Darüm wil ich mich bemühen

auff mein Fretow hinzuziehn /

und mein Leben selbst nicht fliehen /

weil ich sonst erstorben bin /

alß denn wird sie mich erfreuen /

und mir meinen Geist verneuen.

Darüm wil ich gerne lassen

der Tollense Liebligkeit /

wil mein Leben selbst nicht hassen /

weil es nuhr erlaubt die Zeit;

weg mit disen schlechten Auen /

ich wil bald mein Fretow schauen.



(* 14.02.1621, † 31.07.1638)




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