Du fragst, wozu das Küssen tauge,

Und was es eigentlich will sagen?

Um sich zu blicken Aug′ in Auge,

Und Seel′ um Seele zu befragen.

 

Wenn Auge sich in Auge spiegelt

Und sich zu Seele Seele findet,

Dann wird im Kusse rasch besiegelt,

Was treue Herzen ewig bindet.

 

Drum willst du je dich küssend neigen,

So giebt es Eines, das bedenke:

Daß leis in andachtvollem Schweigen

Auch Seele sie in Seele senke.

 

Wo nur die Lippen sich berühren,

Da wirst du bald verschmachten müssen;

Der Liebe Wonnen ganz zu spüren,

O lerne mit der Seele küssen!


Das Gedicht "Du fragst, wozu das Küssen tauge" stammt von (* 1816-05-30, † 1872-06-21).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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