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Allgegenwart


Gleich wie das Eine große Licht,

Der Urquell alles Guten,

Sich hell in tausend Strahlen bricht,

Das Weltall zu durchfluten;

 

Und wie der Farben bunte Pracht,

Das Dunkle wie das Helle,

Das deine Sinne trunken macht,

Nur Eines Stromes Welle;

 

So hat der Eine Gott sich auch,

Der alles hält umschlossen,

Mit Schöpferdrang, mit Liebeshauch

Weit durch das All ergossen.

 

Du siehst in jeder Creatur,

Rings durch das Weltgetriebe,

Von seiner Allmacht eine Spur,

Ein Denkmal seiner Liebe.

 

Er ruft dir zu, er treibt dich an

Aus hunderttausend Pforten,

Sein tiefster Grund liegt aufgethan

In Werken und in Worten.

 

So fühle nun mit ihm dich eins

Und eins mit allem Leben,

So wirst du in der Flut des Seins

Als Tropfen gern verschweben.

 

In jeder Blume, jedem Stern

Erblickst du Gottes Zeichen.

In jeder Seele nah und fern

Erkennst du deinesgleichen.

 

Und wie der Schöpfung großer Ring

In innigstem Vereine

Umschlossen hält jedwedes Ding,

Das Große wie das Kleine:

 

So halte du in Liebe auch

Den Himmel wie die Erde,

Daß deines Athems schwacher Hauch

Ein Sturmwind Gottes werde:

 

Allüberall ein einzig Meer

Der Liebe zu entzünden,

Und laut durch Thaten ringsumher

Den Ew′gen zu verkünden!



(* 30.05.1816, † 21.06.1872)




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