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Nachruf an Nietzsche


Und es kam die Zeit,

daß Zarathustra, auferstanden,

aus seiner Höhle niederstieg vom Berge;

und viel Volkes

küßte seine Spuren.

Der Jünger aber, der ihn liebte,

stand von ferne,

und der Meister kannte ihn nicht.

Und der Jünger trat zu ihm und sprach:

Meister, was soll ich tun,

daß ich selig werde?

Zarathustra aber wandte sich

und schaute hinter sich,

und seine Augen wurden fremd,

und gab zur Antwort:

folge mir nach!

Da ward der Jünger sehend

und verstand den Meister:

folgte ihm

und verließ ihn.

 

Als er aber seines Weges wanderte,

ging er in sich

und sprach also zu seiner Sehnsucht:

Wahrlich, Viele sind,

deren Zunge trieft vom Namen Zarathustras,

und im Herzen beten sie

zum Gotte Tamtam;

allzu früh erschien er diesem Volk.

Seinen Adler sahen sie fliegen,

der da heißt

der Wille zur Macht

über die Kleinen;

und seine Schlange nährten sie an ihrer Brust,

die Schlange Klugheit.

Aber seiner Sonne ist ihr Auge blind,

die da heißt

der Wille zur Macht

über den Einen: den Gott Ich.

Wiedergeburten feiern sie

und Wiedertaufen aller Götzen,

aber Keiner wußte noch

sich selber zu befruchten

und seinem Samen jubelnd sich zu opfern.

Der Du Deinen Opferwillen lehrtest,

fahr denn wohl! gern hätt ich dir

dein letztes Won vom Mund geküßt,

du lächelnder Priester des fruchtbaren Todes.

Aber wir leben,

und mancher Art sind

die Sonnenpfeile und Blumengifte

des fruchtbaren Todes.

Ach, daß dein Jünger dir

zu spät erschien! -



(* 18.11.1863, † 08.02.1920)




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