Der Sturm behorcht mein Vaterhaus,

mein Herz klopft in die Nacht hinaus,

laut; so erwacht ich vom Gebraus

des Forstes schon als Kind.

Mein junger Sohn, hör zu, hör zu:

in deine ferne Wiegenruh

stöhnt meine Worte dir im Traum der Wind.

 

Einst hab ich auch im Schlaf gelacht,

mein Sohn, und bin nicht aufgewacht

vom Sturm; bis eine graue Nacht

wie heute kam.

Dumpf brandet heut im Forst der Föhn,

wie damals, als ich sein Getön

vor Furcht wie meines Vaters Wort vernahm.

 

Horch, wie der knospige Wipfelsaum

sich sträubt, sich beugt, von Baum zu Baum;

mein Sohn, in deinen Wiegentraum

zomlacht der Sturm - hör zu, hör zu!

Er hat sich nie vor Furcht gebeugt!

horch, wie er durch die Kronen keucht:

sei Du! sei Du! -

 

Und wenn dir einst von Sohnespflicht,

mein Sohn, dein alter Vater spricht,

gehorch ihm nicht, gehorch ihm nicht:

horch, wie der Föhn im Forst den Frühling braut!

Horch, er bestürmt mein Vaterhaus,

mein Herz tönt in die Nacht hinaus,

laut - -


Das Gedicht "Lied an meinen Sohn" stammt von (* 1863-11-18, † 1920-02-08).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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