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Drohende Aussicht


Der Himmel kreist, dir schwankt das Land,

vom Schnellzug hin und her geschüttelt

saust Ackerland um Ackerrand,

ein Frösteln hat dich wachgerüttelt:

die Morgensonne kommt.

 

Mühsam entstiebt dem Nebelzelt

ein Krähnvolk, herbstlich abgemagert,

indes sich dick aufs Düngerfeld

der Frührauch der Fabriken lagert;

die Morgensonne kommt.

 

Schwarz schiebt sich durch den grauen Flor

ein langer Zug von Schlackenbergen,

Schornstein an Schornstein schnellt empor,

schreckhafte Hüter neben Särgen;

die Morgensonne kommt.

 

Vom Horizont her nahn mit Hast

und einen sich zwei Straßendämme,

von Apfelbäumen eingefaßt,

schon blaß beglänzt die knorrigen Stämme;

die Morgensonne kommt.

 

Jach folgt zum andern Himmelssaum

dein Blick den fruchtberaubten Zweigen,

und plötzlich siehst du Baum an Baum

sein brandrot glühendes Laub dir zeigen:

der Tag ist da!



(* 18.11.1863, † 08.02.1920)




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