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Bleiche Nacht


Der Nebel staut sich,

Hütten dunkeln,

Dorfgiebel huschen über Lichtern hin,

noch bleicher scheint die Nacht;

die jagende Wagenkette,

schwenkend, strafft sich,

die Maschine heult Warnung,

und vorbei.

Ein entlaubter Kirchhof,

und wieder kreisen

um mein klirrendes Fenster

die öden Wiesen,

huschen Büsche,

eilt der fahle Streifen Horizont

auf den kriechenden Wäldern hin;

mich fröstelt.

 

Drei Monate:

da war die Mondnacht anders hier.

Wie auf Wolken

trug der kleine Kahn des stummen Fischers

uns den Fluß hinab;

selbst die Schatten gaben Licht.

An meiner Seite saß ein Freund,

und ich sagte ihm

all mein Herzensbangen für ihr Glück.

Und über ihrem Giebel,

unterm Baldachin der Königspappel,

als wir durch die Brücke bogen,

stand groß und strahlend

wie in einem Tabernakel

der goldne Mond

und senkte flimmernd auf das Moos des Daches

sein grünes Haar.

Heute aber, als ich Abschied nahm,

achselzuckt ich: mein Fräulein, Glück - ??

Und jener Freund

dachte wohl schon damals:

du Tropf und Schuft! -

 

Mein Fenster schwitzt;

das kühlt die Stirne;

gleich und gleich gesellt sich gem.

Wirbelnd rollt ein funkendurchwirkter Dampfknäul

bleich ins bleiche Feld;

ein Dombusch zerreißt ihn.

Jetzt: dort starrt,

wie durch ein Giner ein Wahnsinnskopf,

der grelle Vollmond durch die kahlen Birken.

Er springt durchs Astwerk;

mit seinen langen blassen Füßen

läuft er auf den blanken Schienen

meinen rasenden Gedanken nach.



(* 18.11.1863, † 08.02.1920)




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