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Meine Mutter


Ach weh, meine Mutter reißt mich ein.

Da hab ich Stein auf Stein gelegt

und stand schon wie ein kleines Haus,

um das sich groß der Tag bewegt;

sogar allein.

 

Nun kommt die Mutter, kommt und reißt mich ein.

Sie reißt mich ein, indem sie kommt und schaut.

Sie sieht nicht, daß da einer baut.

Sie geht mir mitten durch die Wand von Stein.

Ach wehe, meine Mutter reißt mich ein.

 

Die Vögel fliegen leichter um mich her;

die fremden Hunde wissen: der ist der.

Nur einzig meine Mutter kennt es nicht,

mein langsam mehr gewordenes Gesicht.

 

Von ihr zu mir war nie ein warmer Wind;

sie lebt nicht dorten, wo die Lüfte sind.

Sie liegt in einem hohen Herzverschlag,

und Christus kommt und wäscht sie jeden Tag.



(* 04.12.1875, † 29.12.1926)




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Kommentare

  • Gravatar von Webmaster
    Webmaster | webmaster@zgedichte.de
    vor rund 4,5 Jahren

    Doch, dies ist ein Gedicht von R.M.Rilke. Erschienen ist es in der Publikation "Die Gedichte 1910 bis 1922" von R.M.Rilke.
    Danke für das aufmerksame lesen!

  • Gravatar von Müller-Rothgenger, Harrie
    Müller-Rothgenger, Harrie | mueller-rothgenger@web.de
    vor rund 4,5 Jahren

    Nach meinen seriösen Buch-Ausgaben von Rainer Maria Rilkes Gedichten ist das KEIN Gedicht von diesem Dichter.
    Fälschung?
    Versehen? Wenn ja, bitte korrigieren!