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Die Liebende (1)


Das ist mein Fenster. Eben

bin ich so sanft erwacht.

Ich dachte, ich würde schweben.

Bis wohin reicht mein Leben,

und wo beginnt die Nacht?

 

Ich könnte meinen, alles

wäre noch Ich ringsum;

durchsichtig wie eines Kristalles

Tiefe, verdunkelt, stumm.

 

Ich könnte auch noch die Sterne

fassen in mir; so groß

scheint mir mein Herz; so gerne

ließ es ihn wieder los

 

den ich vielleicht zu lieben,

vielleicht zu halten begann.

Fremd, wie niebeschrieben

sieht mich mein Schicksal an.

 

Was bin ich unter diese

Unendlichkeit gelegt,

duftend wie eine Wiese,

hin und her bewegt,

 

rufend zugleich und bange,

daß einer den Ruf vernimmt,

und zum Untergange

in einem Andern bestimmt.



(* 04.12.1875, † 29.12.1926)




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