An der sonngewohnten Straße, in dem

hohlen halben Baumstamm, der seit lange

Trog ward, eine Oberfläche Wasser

in sich leis erneuernd, still′ ich meinen

Durst: des Wassers Heiterkeit und Herkunft

in mich nehmend durch die Handgelenke.

Trinken schiene mir zu viel, zu deutlich;

aber diese wartende Gebärde

holt mir helles Wasser ins Bewußtsein.

 

Also, kämst du, braucht ich, mich zu stillen,

nur ein leichtes Anruhn meiner Hände,

sei′s an deiner Schulter junge Rundung,

sei es an den Andrang deiner Brüste.


Der Text des Gedichts "An der sonngewohnten Straße" stammt von (* 1875-12-04, † 1926-12-29).




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