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Vorfrühling


Weltanfassende, fröhliche Dummheit,

Sprießendes Singen seimigen Grases,

Wohligschelmisch Gewölk.

Weicher Schalmeientöne,

Sinniges Grübchen.

Am markig umwundenen Knie,

Ziehet′s spielend hin:

Fromm in Sonne,

Atmende Auen.

 

Reime und Maße,

Tabulatur der Stände

Gezählt am peinlich

Gekrümmten Finger -

Das ist vorüber.

Blöde zwinkernd

Putzt die stechenden Brillengläser

Heisere Gescheitheit.

Melodische Seele der Welt,

Frühling, Schalmei,

Spiele, spiele uns alle hin

In alles Schönheit tanzendes Leben.

In das muntere Gesetz

Alle Sterne strahlenden

Liebenden Reigens.

 

Warum kommen nur die Menschen nicht,

Wollen sie nicht?

Und zwingen zum Tanz?...

Nun -

Und die spatzschreienden Hecken

Und die paarenden Tiere sagen:

Die Welt geht weiter.

Auf vermoderter Triebe Rost

Immer wieder nachquillend

Tauender Teufel bereuender Frost.

 

Auf der grünen weiteblauen

Himmelswiese

Dauern hin, spielend versonnen,

Weltverlorne Lichtungen,

Locken rötlich träumende Kindesköpfe.

Gelbes rotes strotzendes Feuer

Roter Blumen.

Blitzelt auf bräunlichen Ständern

Suchend wach...

Entgilbender Himmel -

Ist es nicht wärmer schon oben?

Da Gott Vater erst

Und erste Welt;

War das nicht so wie himmlische

Weltanfassende Dummheit.



(* 11.09.1854, † 07.04.1904)




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