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Tastende Tage


Die Äste in Flammen, die Wipfel entlaubt

Am Kreuze das friedenumsprühete Haupt.

 

Ein Sehnen und Dehnen, wie Mädchen es haben,

Renettenrot in die Lüfte gegraben.

 

Ein streckendes Zittern, ein schwellendes Glühen,

Des scheinenden Baumes Adern erblühen.

 

In gereiztem Scheine Feier-Weh,

Flammt Ziegelglut auf Erdenschnee.

 

Die versteinerte Glut, ein Liebesgedicht,

Fällt rosig warm auf der Kälte Gesicht.

 

Einsamkeit der Einsamkeiten,

Welt und ich: wir beide schreiten.

 

Haltende Hände leise schweben

Zu der Sonne goldenem Geben.

 

Im schmelzenden Schnee was heimlich geht,

Ob schon der Frühling im Felde steht?

 

Apostelhäupter im Abendscheine:

Der Kartenspieler trübe Gemeinde.

 

Die Äste entflammen, die Wipfel entlaubt

Am Kreuze das friedenumsprühete Haupt.



(* 11.09.1854, † 07.04.1904)




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