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Über ein Stündlein


Dulde, gedulde dich fein!

Über ein Stündlein

ist deine Kammer voll Sonne.

 

Über den First, wo die Glocken hangen,

ist schon lange der Schein gegangen,

ging in Türmers Fenster ein.

 

Wer am nächsten dem Sturm der Glocken,

einsam wohnt er, oft erschrocken,

doch am frühsten trifft ihn Sonnenschein.

 

Wer in tiefen Gassen gebaut,

Hütt′ an Hüttlein lehnt sich traut,

Glocken haben ihn nie erschüttert,

Wetterstrahl ihn nie umzittert,

aber spät sein Morgen graut.

 

Höh′ und Tiefe hat Lust und Leid.

Sag ihm ab, dem törigen Neid:

andrer Gram birgt andre Wonne.

 

Dulde, gedulde dich fein!

Über ein Stündlein

ist deine Kammer voll Sonne.



(* 15.03.1830, † 02.04.1914)




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