Aus dem roten, roten Pfühl

Kriecht die Sonne auf die Dielen,

Und wir blinzeln nur und schielen

Nach uns, voller Lichtgefühl.

 

Wie die Rosa-Pelikane,

Einen hellen Fisch umkrallend,

Rissen unsere Lippen lallend

Kuß um Kuß vom weißen Zahne.

 

Und nun, ein gerauscht ins weiche

Nachgefühl der starken Küsse,

Liegen wir wie junge Flüsse

Eng umsonnt in einem Teiche.

 

Und wir lächeln gleich Verzückten;

Lachen gibt der Garten wieder,

Wo die jungen Mädchen Flieder,

Volle Fäuste Flieder pflückten.


Das Gedicht "Liebesmorgen" stammt von   (1885 - 1921).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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