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Freundin Hörerin


Die Gegenwart der Nacht macht alles schlimmer.

Die Phantasien der Lust entlaufen schnöde,

Die Uhr schreit häßlich in der Herzeinöde,

Ins Zimmer fliegen die früheren Zimmer.

 

Unter die Stirne flieht die Gliederherde.

Im Mund weißkleinen Zähnelichtes schreit es,

Und Schrecken wächst im Antlitz wie ein zweites:

Ach, ach, es friert über mich hin aus Erde.

 

Und das Bewußtsein glaubt noch nicht einmal

Der chemischen Erlösung von dem Leide.

Das Antlitz abgestreift an eine Weide,

Mit Felderarmen liegen wir im Tal.

 

Ich mußte haltlos altern aus der Jugend

In dieser weißen, häuserigen Stadt.

Auf krummem Himmel frei zu stehen matt,

Den Schädel in die Martermauern fugend.

 

Im Himmelsgrund voll Schatten, Wind und Straße

Erscheinen wir, die sich bewegend tun.

Aus Augen fliegt über den dunklen Schuhn

Der Regenbogen durch die Antlitzmasse.

 

Antlitze kommen auf in dem Tierhaar,

Die Einzelaugen an die meinen spülend.

Und ein Gesicht, Auswuchs der Seele, fühlend

Einschwebte Stirn zur Stirne, scheues Paar.

 

Wir arbeiten. Mich freut es, dich zu sehn

Freundinnenlippenrot, anthropomorph.

Wir bauen in die Stadt uns kleines Dorf

Schädelblut-Häuser und Arme-Alleen.

 

Das Herz geht in den Händen hin und her.

Die Augen füllen sich an einem Strahl,

Mit Bäumebildern, Städten an dem Meer.

Der Strahl ist aus der Sonne, Tag geheißen.



(* 31.12.1885, † 16.03.1921)




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