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Oft in der stillen Nacht


Oft in der stillen Nacht,

wenn zag der Atem geht

und sichelblank der Mond

am schwarzen Himmel steht,

 

wenn alles ruhig ist

und kein Begehren schreit,

führt meine Seele mich

in Kindeslande weit.

 

Dann seh′ ich, wie ich schritt

unfest mit Füßen klein,

und seh′ mein Kindesaug′

und seh′ die Hände mein

 

und höre meinen Mund,

wie lauter klar er sprach

und senke meinen Kopf

und denk′ mein Leben nach:

 

Bist du, bist du allweg

gegangen also rein,

wie du gegangen bist

auf Kindes Füßen klein?

 

Hast du, hast du allweg

gesprochen also klar,

wie einsten deines Munds

lautleise Stimme war?

 

Sahst du, sahst du allweg

so klar ins Angesicht

der Sonne, wie dereinst

der Kindesaugen Licht?

 

Ich blicke, Sichel, auf

zu deiner weißen Pracht;

tief, tief bin ich betrübt

oft in der stillen Nacht.



(* 28.06.1865, † 01.02.1910)




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