Aus schwarzem Marmor fügten sie vornacht das Thor

und eines seltnen Stolzes Inschrift gruben sie

auf seine Stirn. Es drängten die Jahrhunderte

an diesen Pfosten sich vorbei, das Haus zerfiel,

das Thor bestand – heut öffnet es die Flügel weit.

 

Auf diesen alten Schwellen lag manch träger Staub –

heut aber sollen braundurchwobne Purpurdecken

die grauen Quadern tauchen in den Strom der Seide

und einer Herrin wunderzarte Füsse sollen

die grossen Wandelsteine scheu auftretend segnen ...

 

Es träumt der Herbst sein reiches Fest. Es herrscht am See

der weissen Chrysanthemen spätgeborne Pracht

und jener dunkelrothen Blätter Überfluss,

der wie ein Mantel auf den morschen Mauern liegt –

Wo die Cypressen dort im Abendlichte glühn,

erscheint ihr Grün von Fäden dunklen Golds durchwirkt ...

 

Die reinen Stufen schreit ich Fragender hinab.


Das Gedicht "Das Thor" stammt von (* 1864-06-03, † 1905-02-11).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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