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Hymnen an die Macht, 2.


Muß immer der Morgen wiederkommen?

Endet nie des Irdischen Gewalt?

Unselige Geschäftigkeit verzehrt

Den himmlischen Anflug der Nacht.

Wird nie der Liebe geheimes Opfer

Ewig brennen?

Zugemessen ward

Dem Lichte seine Zeit

Und dem Wachen -

Aber zeitlos ist der Nacht Herrschaft,

Ewig ist die Dauer des Schlafs.

Heiliger Schlaf!

Beglücke zu selten nicht

Der Nacht Geweihte -

In diesem irdischen Tagwerk.

Nur die Toren verkennen dich

Und wissen von keinem Schlafe

Als den Schatten

Den du mitleidig auf uns wirfst

In jener Dämmrung

Der wahrhaften Nacht.

Sie fühlen dich nicht

In der goldnen Flut der Trauben

In des Mandelbaums Wunderöl

Und dem braunen Safte des Mohns.

Sie wissen nicht

Daß du es bist

Der des zarten Mädchens

Busen umschwebt

Und zum Himmel den Schoß macht -

Ahnden nicht

Daß aus alten Geschichten

Du himmelöffnend entgegentrittst

Und den Schlüssel trägst

Zu den Wohnungen der Seligen,

Unendlicher Geheimnisse

Schweigender Bote.



(* 02.05.1772, † 25.03.1801)




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