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Geschichte der Poesie


Wie die Erde voller Schönheit blühte,

Sanftumschleiert von dem Rosenglanz

Ihrer Jugend und noch bräutlich glühte

Aus der Weihumarmung, die den Kranz

Ihrer unenthüllten Kindheit raubte,

Jeder Wintersturm die Holde mied,

O! da säuselte durch die belaubte

Myrte Zephir sanft das erste Lied.

 

Eva lauschte im Gebüsch daneben

Und empfand mit Jugendphantasie

Dieser Töne jugendliches Leben

Und die neugeborne Harmonie,

Süßen Trieb empfand auch Philomele

Leise nachzubilden diesen Klang;

Mühelos entströmet ihrer Kehle

Sanft der göttliche Gesang.

 

Himmlische Begeistrung floss hernieder

In der Huldin reingestimmte Brust,

Und ihr Mund ergoss in Freudenlieder

Und in Dankgesängen ihre Lust,

Tiere, Vögel, selbst die Palmenäste

Neigten staunender zu ihr sich hin,

Alles schwieg, es buhlten nur die Weste

Froh um ihre Schülerin.

 

Göttin Dichtkunst kam in Rosenblüte

Hoher Jugend eingehüllt herab

Aus dem Äther, schön wie Aphrodite,

Da ihr Ozean das Dasein gab.

Goldne Wölkchen trugen sie hernieder,

Sie umfloss der reinste Balsamduft,

Kleine Genien ertönten Lieder

In der tränenlosen Luft.



(* 02.05.1772, † 25.03.1801)




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